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News vom 14.08.2010

Minischulen stehen vor dem Aus

Ab dem nächsten Schuljahr werden in Portugal mehr als 900 Dorfschulen, in denen weniger als 21 Schüler unterrichtet werden, durch das portugiesische Erziehungsministerium geschlossen. Nun fürchten Kritiker, dass in den Provinzen die Landflucht noch mehr beschleunigt wird. In dem 100-Seelen-Dorf Alcanadas beispielsweise versteht man die Welt nicht mehr. Ein Vater schimpft: „Ich verstehe einfach nicht, warum sie unsere Kinder jetzt in den Nachbarort in die Schule bringen wollen. Es war doch alles gut so, wie es war.“. Genau das sieht das portugiesische Erziehungsministerium ganz anders und hat nun beschlossen, dass alle Dorfschulen mit weniger als 21 Schülern geschlossen werden. In diesem Ort, im Gebirge zwischen Batalka und dem Wallfahrtsort Fatima gehen 13 Kinder zur Schule. Ab dem nächsten Schuljahr müssen diese Kinder nun mit dem Bus fast zehn Kilometer in die Schule fahren. Dabei hat man die Schule von Alcanadas kürzlich erst noch modernisiert und ausgebaut. Die Eltern sind empört: „Da hat die Gemeinde viel Geld ausgegeben und die Schule wunderschön umgebaut. Und jetzt soll sie schließen! Ich bin dagegen, aber was kann ich schon tun?“, sagt der Vater weiter. Rund 900 Schulen in Portugal sind von den geplanten Schließungen im kommenden Herbst betroffen. Ohnehin gibt es im Hinterland eine hohe Landflucht, die sich jetzt verstärken könnte. Das Ministerium hingegen erläutert, dass sie Schließungen rein aus pädagogischen Gründen vorgenommen werden. Das sehen die Eltern und die Bürgermeister der betroffenen Ortschaften ganz anders. „Dem Ministerium geht es doch nur ums Geld. Je mehr Schulen schließen, desto weniger Lehrer müssen eingestellt werden.“, hört man an allen Ecken und Enden. In vielen kleineren Ortschaften dreht sich das Leben nur um die Kirche, die Gesundheitszentren und die Schule. Während die Gesundheitszentren vielerorts bereits geschlossen sind, es in vielen Orten nicht mal mehr eine Post gibt, befürchtet man jetzt, dass vor allem junge Familien auch noch wegziehen, wenn die Schulen geschlossen werden. Hinzu kommt, dass die Wege zur Schule nicht nur viel weiter sind, sondern die Schulen, in die die Kinder jetzt gehen sollen, teilweise schlechter sind, als die in den Dörfern. Viele Eltern der Kinder sind auch berufstätig und so müsste eine der Mutter nun täglich mehr als 40 Kilometer fahren, um erst ihren Sohn in die Schule zu bringen und dann zur Arbeit zu gelangen - und das zweimal am Tag.

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